Willkommen in der Gemeinde Sengwarden

400. Sengwarder Markt


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zum Marktprogramm 2018




Sengwarder Geschichte in Kurzform

von H. Möhlenhoff


Eine Sengwarder Dorfchronik gibt es leider noch nicht. Wenn man sich ein Bild von der wechselvollen Geschichte unseres Ortes machen will, muß man zurückgreifen auf zahlreiche Veröffentlichungen über die Geschichte Frieslands, Ostfrieslands, Kniphausens, Oldenburgs ,Wilhelmshavens, der Chauken, Sachsen und Friesen, aber insbesondere auch über die Geschichte unserer Landesherren, der Häuptlinge, Grafen und Fürsten von In- und Kniphausen. Darin eingebettet ist auch unser Weg über Zeit und Raum. Wenn man ihn richtig einordnen und zuordnen will, empfiehlt es sich, dafür ein kleines Gerüst zu schaffen, ähnlich der "Schummelzettel" unserer Schulzeit. Das müßte dann etwa so aussehen:

7. bis 5. Jh. vor Chr.
Hier haben nachweislich schon Menschen (Jäger und Fischer) gelebt.

2. Jh. vor Chr.
Es kamen die Chauken vom Westen hier in die fruchtbare Marsch, später die Sachsen, dann die Friesen.

7. Jh. nach Chr.
Um diese Zeit waren überall die Friesen die Herren im Lande. Viele Jahre schlugen sie sich mit Dänen und Normannen herum.

9. Jh. nach Chr.
Erst in diesem Jahrhundert hörte die Dänenherrschaft und damit diese Landplage auf.

9. bis 11. Jh. nach Chr.
Dies waren Jahrhunderte gaulicher und gemeindlicher Selbständigkeit unter frei gewählten Richtern. Das Land bestand aus einer Anzahl kleiner Republiken und betrachtete sich als niemand untertan. Selbstregierung durch 16 Richter, die alle Jahre neu gewählt wurden. - Sengwarden gehörte zu Östringen (Raum zwischen Made und Crildumer Tief). Hauptort war Jever. - Beginn der Eindeichung. -

12. bis 14. Jh. nach Chr.
Diese Jahrhunderte waren wieder durchtobt von grimmigen Stammesfehden, in die sich auch die Nachbarn einmischten. Wangerländer, Östringer, Rüstringer schlugen sich, verbrannten Dörfer und Kirchen und verwüsteten das Land. Sturmfluten und Viehseuchen vermehrten das Elend. - Störtebecker und die Likedeeler verunsicherten die Küste.

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Zerstörung der ersten Sengwarder Kirche anläßlich einer Fehde zwischen Östringer und Rüstringer (Östringer Fehde).

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Neubau der Kirche zu Sengwarden.

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Beginn der Häuptlingszeit mit Edo Wiemken d. Älteren -Häuptling von Rüstringen und Jever. Östringen als Ganzes brach auseinander.

Der Landrichter Heddo von Wehlens (nach ihm ist Heddoburg benannt) und der Landrichter Ino Tiarks (nach ihm ist Inhausen bennnt) deichten hier neu ein. In dem dadurch wieder gesicherten Land entstanden neue Höfe. Inhausen (gegenüber der jetzigen Hofstelle östl. der alten L 10) und Tiardeshausen (jetzt Sengwarder Grashaus) nach Tiard Hedden, dem Sohn des Heddo von Wehlens.

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Tiard Hedden -erster Häuptling v. Sengwarden- entzweite sich mit Ino Tiarks und vertrieb diesen von Inhausen. Dieser wiederum suchte Hilfe bei Edo Wiemken d. Älteren und belagerte die Kirche zu Sengwarden, in die sich Tiard Hedden zurückgezogen hatte. Die Kirche wurde beschossen und von Edo Wiemken d.Ä. genommen. Tiard Hedden fiel dabei

Popke Inen, der Sohn des Ino Tiarks, bekam Inhausen zurück und Edo Wiemken gab ihm die Kirche von Sengwarden dazu. So wurde er zweiter Häuptling von Sengwarden. Er entzweite sich dann bei einem Familienstreit wieder mit Edo Wiemken d.Ä. und suchte Anschluß an den Häuptling von Aurich. Aber bei dieser Auseinandersetzung zog er den Kürzeren. Er wurde bei der Gefangennahme erstochen.

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Die jüngere Tochter und Erbin des Popke Inen heiratete sodann Iko Onken , den Sohn des "Grote Onke" von Sengwarden. Er bekam Inhausen und Sengwarden und wurde somit unser dritter Häuptling.

(Sein Vater, Grote Onke von Sengwarden 1405 war der Ahnherr der Häuptlinge, Grafen und später Fürsten von In- und Kniphausen. Sein Hof lag bei der jetzigen Hofstelle Harms an der Onkestraße in Sengwarden. Bei einem Versuch, seine Freund Edo Wiemken d.Ä. vor den Holländer zu retten, wurde er erschlagen).

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baute Lübbo Onneken die Burg Kniphausen. Iko Onken machte aus Inhausen eine Burg, aber er führte ein schlimmes Familienleben. Er hatte zwei Frauen nacheinander und danach noch ein Verhältnis zu einer dritten, mit der er vier Kinder hatte. Dementsprechend war auch seine Brut.

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Seine eheliche Tochter und rechtmäßige Erbin von Inhausen heiratete Hero Jansen (Tantzen) von Sandel. Aber Alke, der uneheliche Sohn des Iko Onken, warf seine Stiefschwester und deren Mann Hero aus Inhausen heraus und übernahm das Regiment. Somit wurder er vierter Häuptling von Sengwarden, nachdem Ihm vom Papst der Makel der unehelichen Geburt genommen wurde. Hero Jansen (Tantzen), der vertriebene Herr von Inhausen, suchte inzwischen dann noch einmal Hilfe beim Grafen von Ostfriesland und es glückte ihm sogar, die Kirche von Sengwarden in seine Gewalt zu bringen.

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Aber Alke suchte wiederum Hilfe beim Häuptling von Jever, Tanno Düren (1441 - 1468), dem nichts daran lag, daß die Ostfriesen Hand auf Sengwarden legten. Er lieh sich von Bremen eine Kanone, 20 steinerne Kanonenkugeln, ein Faß Pulver und eine Tonne Kraut und beschoß die Kirche von Sengwarden. Hero Jansen konnte sich nicht halten und so blieb Alke Herr in Inhausen und Häuptling von Sengwarden.

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Alkes einziger Sohn, Fulf, folgte seinem Vater als fünfter Häuptling von Sengwarden. Er wurde an dem ostfriesischen Hof in Emden erzogen und schloß Freundschaft mit dem Grafen Edzard von Ostfriesland. Das brachte ihn im Gegensatz zu dem in Jever regierenden Edo Wiemken dem Jüngeren (1468 - 1511); aber letztlich konnte er sich behaupten und Edo mußte ihn als unabhängigen Häuptling von Inhausen (Sengwarden) anerkennen und konnte auch nicht verhindern, daß er durch Erbschaft 1495 Kniphausen (Fedderwarden und Accum) hinzugewann. So wurden wir In- und Kniphäuser. Weil die Burg Kniphausen im besseren Stande war, siedelte er nach dort um und nannte sich Häuptling von In- und Kniphausen. Damals hatte Kniphausen noch einen unmittelbaren Zugang zur See. Fulf war ein Straßen- und Seeräuber, berichtet die Chronik, und seine Leute machten die ganze Gegend und die See unsicher. Edo Wiemken d.J. nannte nicht zu Unrecht Inhausen eine Diebeskammer. Er hat aber auch Gutes getan. Zu seiner Zeit erfolgte die Eindeichung Fedderwardergrodens. Es wurden neue Deiche und Siele gebaut. Kniphausersiel und Inhausersiel entstanden.

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Die Burg Kniphausen wurde anläßlich einer Auseinandersetzung vom Herzog Heinrich von Braunschweig geschleift. Der Wiederaufbau erfolgte 1517 - 1541.

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Fulf von In- und Kniphausen starb 1531 als Gesandter des Grafen von Ostfriesland in Brüssel. Ob eines natürlichen Todes ist nicht bekannt. Ihm folgte sein Sohn Tido von In- und Kniphausen, praktisch auch als sechster Häuptling von Sengwarden. Tido ließ die verfallene Burg Inhausen abbrechen und baute 700 m östlich davon ein Vorwerk (bis 1984 staatl. Domäne)an der Inhauser Landstraße.

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heiratete er eine Niederländerin aus vornehmen und begütertem Geschlecht, Eva von Renneberq. Beide haben in Accum ein Grabmal von großer Schönheit. Tido hat die Reformation eingeführt und förderte den reformierten Standpunkt.

Er lag zeitlebens im Streit mit Frl. Maria von Jever (1531 - 1575),die den Anspruch ihres Hauses auf Kniphausen weiterverfolgte und beim Regensburger Reichstag auf Rückgabe der Herrlichkeit klagte, begründet auf Erbrechte aus der Zeit Edo Wiemken d.Ä. Der Rechtsstreit bewegte sich im Schneckentempo und wurde auch nach Tidos Tod (18.2.1565) und nach dem Tode Frl. Marias (20.2.1575) fortgesetzt.

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wurde Tidos Sohn I k o Reichsfreiherr.

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Graf Johann von Oldenburg als Nachfolger Frl. Marias von Jever erstritt im Erbfolgekrieg am 20.10.1592 ein obsiegendes Urteil. Aber noch viele Jahre blieben die Angelegenheiten in der Schwebe.

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In dieser Schwebezeit ist auch der Sengwarder Markt zum ersten Male schriftlich nachweisbar (am 16.9.1618). Man kann aber annehmen, daß auch schon vorher hier örtliche Pferdemärkte stattgefunden haben.

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Erst am 20.11.1623 wurde der Nachfolger vom Grafen Johann von Oldenburg, Graf Anton-Günther,in Kniphausen und damit in die Kirchspiele Accum und Fedderwarden und zugleich in die Herrlichkeit Inhausen (Sengwarden) eingewiesen und zwar nach einer offiziellen Verzichtserklärung des damaligen Besitzers von Kniphausen, Philipp Wilhelm, gegen Zahlung einer Jahresrente von 3.000 Reichstalern. - Somit wurden wir Oldenburger. Mit der Oldenburgischen Regierungsübernahme in Kniphausen wurde auch das lutherische Bekenntnis gegen den Widerstand der Bevölkerung eingeführt; lediglich in Accum blieb die reformierte Gemeinde bis heute bestehen.

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Nur ein gutes Menschenalter blieb Kniphausen mit Oldenburg / Jever vereinigt, dann trennte Anton-Günthers letzter Wille es wieder ab. Er überwies es seinem illegitimen Sohn Anton I von Aldenburg am 2.6.1658 zusammen als Fideikommiß mit Varel.

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verstarb Anton I von Aldenburg und Herr von Kniphausen.

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Brand in der Burg Kniphausen. Das Hauptgebäude brannte nieder, stehen blieben nur die alten Gebäude mit Marstall. Letzterer wurde dann zum heutigen Schloßgebäude mit Zwiebelturm ausgebaut.

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Unter seinem Sohn, Anton II, verlieh der Kaiser Kniphausen am 18.1.1737 den Charakter einer "unmittelbaren Reichsherrschaft". Damit begann die selbständige Geschichte der Herrlichkeit Kniphausens von neuem, mit all den Wunderlichkeiten der Kleinstaaten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Eigene Gerichtsbarkeit, eigenes Heer (1 Leutnant, 1 Wachtmeister und 12 Musketiere); Uniform: Blaue Röcke mit rotem Futter und weißen Hosen. Größe des Landes: 52 3/4 qkm mit 3.200 Einwohnern. Flagge: Blauweiß-blau quergestreift. Es entwickelte sich sogar ein echtes Kniphäusisches Nationalgefühl.

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verstarb Anton II. Erbin war seine Tochter, Charlotte Sophie (geb. 1715, + 1800). Sie heiratete 1732 den Grafen Wilhelm von Bentinck

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ließ sie sich von ihm scheiden und bestritt ihm die Vormundschaft über ihre gemeinsamen Kinder. Aber nach vielem Hin und Her huldigten die Untertanen doch dem Grafen Bentinck als Vormund seiner Söhne.

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übernahm der älteste Sohn, Christian Friedrich Anton am 27.9.1759 die Regierung in Varel und Kniphausen.

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Ihm folgte sein 1762 geborener Sohn, Wilhelm Gustav Friedrich, des "Heiligen Römischen Reiches Graf und Herr von Kniphausen, Edler Herr von Varel etc. Er nutzte die von Frankreich und England anerkannte Neutralität und trieb mit seiner Flotte einen lebhaften Handel zugunsten der gräflichen Kasse. Zentren der Schiffahrt waren Inhausersiel und Rüstersiel. Diese Häfen nahmen damals, begünstigt durch die englische Blockade von 1803 bis 1805. einen lebhaften Aufschwung.

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In die von Napoleon gegen England verhängte Kontinentalsperre wurde Kniphausen, da man es wegen seiner Kleinheit vergessen hatte, zunächst nicht mit einbezogen. Aber dann griff Napoleon mit rauher Hand in die idyllische Selbständigkeit Kniphausens ein.

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wurde die Herrlichkeit dem Königreich Holland und

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dem französischen Kaiserreich einverleibt.
Für Wilhelm Gustav Friedrich wurde das eine turbulente Zeit. Es gelang ihm als Bürgermeister (Maire) von Varel wenigstens mit einem Teil seiner bisherigen Untertanen in Verbindung zu bleiben.

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versuchte er die Franzosenherrschaft abzuschütteln, aber das war noch zu früh. Die zurückkehrenden Franzosen nahmen ihn gefangen, stellten ihn vor ein Kriegsgericht und ihm drohte die Erschießung und die Einziehung seiner Güter. Aber ein französischer General als Vorsitzender des Kriegsgerichts rettete ihn und es wurde beschlossen, ihn des Landes zu verweisen und seine Güter zugunsten des Staates einzuziehen. Er kam als Gefangener nach Paris und hier erst gab ihm der Einzug der Verbündeten am 31.2.1814 die Freiheit wieder.

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Nur hatte schon vorher Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg mit der fraglichen Begründung, ein französisches Gericht habe dem Grafen Bentinck alle Rechte abgesprochen, aus der Hand der russischen Besatzung die Verwaltung in Varel und Kniphausen übernommen. Aber der Graf kämpfte erbittert um sein Recht.

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Erst durch das "Berliner Abkommen" von 1825 wurde dem Graten Bentinck Kniphausen, allerdings unter Oldenburgischer Oberhoheit, zurückerstattet, nachdem er 1815 noch vergeblich versucht hatte, sich mit Hilfe holländischer Söldner durch einen Handstreich in den alten Besitz zu bringen. Das gelang ihm auch zunächst mit Hilfe der Bevölkerung, die treu zu ihm hielt, wurde aber dann doch von 30 Oldenburgischen Landdragonern verhindert.

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verstirbt Wilhelm Gustav Friedrich und sein Sohn aus zweiter Ehe, Gustav Adolph, tritt die Herrschaft übel; Varel und Kniphausen an.

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Dieser hat die ganze Zeit seiner Herrschaft die Last eines Erbfolgestreites zu tragen, der erst 1854 durch einen Vergleich aus der Welt geschaffen wurde. Die zweite Ehe seines Vaters wurde von seinen englischen Verwandten angefochten und damit auch seine Legitimität. Einer seiner englischen Vettern, Carl Anton Ferdinand, versuchte sich sogar mit Gewalt in den Besitz der Burg zu bringen und versuchte es später noch einmal von Sengwarden aus; wurde aber beide Male von der Bevölkerung nicht angenommen und davon gejagt Aber das Eigenleben Kniphausens neigte sich dem Ende zu. Die streitenden Parteien verglichen sich mit Oldenburg. Der Kläger (die englischen Verwandten) bekam 1.100.000 Taler zugesprochen, ließ jedoch die Summe als Hypothek zu 3 1/3 Prozent stehen. Der Beklagte, Gustav-Adolph Bentinck, hatte viele Schulden und bekam nur die Hälfte, 550.000 Taler. Woher aber sollte das kleine Oldenburg dieses Geld nehmen? Ein Ausweg fand sich. Oldenburg verkaufte um annähernd denselben Preis an Preußen Land aus dem Kirchspiel Heppens zur Anlage eines Kriegshafens. Somit sind der Erwerb Kniphausens durch Oldenburg und die Gründung der Stadt Wilhelmshaven auf das engste miteinander verbunden und damit wurden die Kniphäuser, sehr gegen ihren eigenen Willen, Oldenburger, ähnlich wie sie gut 140 Jahre später dann Wilhelmshavener geworden sind.

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kaufte Graf Edzard von In- und Kniphausen (jüngere Linie Lütetsburg) die Burg seiner Vorfahren zurück. Kniphausen entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel.

Dann kam die Zeit der selbständigen oldenburgischen, zum Amte Jever gehörenden Landgemeinden Fedderwarden, Accum und Sengwarden, entstanden aus den alten Kirchspielgemeinden. Das Gebiet der Gemeinde Fedderwarden ging damals ebenfalls bis an die Küste, südlich daran schlossen sich die oldenb. Gemeinden Neuende und Heppens an. Sengwarden im Norden umfaßte das Gebiet nördlich der Inhauser Landstraße bis kurz vor Hooksiel (einschl. Sengwarder Anteil von Hooksiel) frh. Gem. Pakens.

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Mit der Oldenburgischen Verwaltungsreform von 1933 wurden dann die ehem. Gemeinden Sillenstede, Accum, Fedderwarden und Sengwarden zu einer neuen Großgemeinde zusammengelegt. Mit Rücksicht darauf, daß das neue Gemeindegebiet zum größten Teil aus der alten Herrschaft Kniphausen bestand, wurde'für diese neue Gemeinde der historische Name "Kniphausen" bestimmt.

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Am 1.6.1938 ist dann im Zuge der Planungen der Stadt Wilhelmshaven ein erheblicher Teil des alten Gemeindegebietes von Kniphausen nach Wilhelmshaven eingemeindet worden. (Fedderwardergroden, Himmelreich, Coldewey, Kniphausersiel, Langewerth, Burg Kniphausen).

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Mit der Oldenburgischen Gemeindereform von 1946 wurde die kreisangehörige Gemeinde Sengwarden, bestehend aus dem Bezirk der alten Gemeinde Sengwarden und aus dem zur Gemeinde Kniphausen gehörigen Teil der alten Gemeinde Fedderwarden, gebildet.

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Mit der Gebiets- und Verwaltungsreform 1972 wurde der Zusammenschluß der ehem. Gemeinde Sengwarden mit der Stadt Wilhelmshaven auf freiwilliger Basis vereinbart und der damit verbundene Grenzänderungsvertrag rechtskräftig. Die ehem. Gemeinde erhielt eine Ortsratsverfassung nach den Bestimmungen der Nieders. Gemeindeordnung.

(Veröffentlicht im der Sengwarder Marktzeitung 1985)
Digitalisiert vom Sengwarder Archivteam

Sengwarden gemalt 1947 von Wilhelm Siebels
Sengwarden gemalt 1947 von Wilhelm Siebels (1897-1965)


Sengwarden
Das Dorf und seine politische Zugehörigkeit


Sengwarden: 1150 Sibinwerte, 1420 Sevenwurden, 1432 Sennwardt, 1434 Synnwert, 1448 Sevenwerde, 1481 Senwarden (nach alten Karten lt. Dr. Kollmann: "Beschreibung der Gemeinden des Herzogtums Oldenburg" v. 1897). Deutung des Namens nach Dettmar Coldewey: "Sieben Wurten" (Sengwarden, Wehlens, Westerhausen, Utwarfe, Breddewarden, Heddoburg und Utters).

Das Dorf lag ursprünglich auf Geestuntergrund. Durch das ständige Steigen des Meeresspiegels laufende Erhöhung bis zum Deichbau um 1.000 n. Chr. Funde am Westrand der Dorfwarf lassen schon auf eine Besiedlung kurz nach Christi Geburt schließen (Dr. Marschallek: "Vorgeschichtliche Landesaufnahme").

Sengwarden war um 800 n. Chr. ein Dorf in dem frühmittelalterlichen Gau ASTERGA, aus dem später die mittelalterliche Landesgemeinde ÖSTRINGEN hervorging. östringen wiederum ist dann später in die Herrschaft Jever aufgegangen.

1250 Neubau der Kirche.

Seit 1350 (Beginn der Häuptlingszeit) Sengwarden als Kirchspielort in der selbständigen HERRLICHKEIT INHAUSEN. Die dazugehörende Burg lag weiter südlich des Dorfes an der Str. n. Fedderwarden, nördl. der Abzwg. nach Fedderwardergroden. So müßte die Herrlichkeit eigentlich Sengwarden heißen, sie wurde dann aber nach der Burg Inhausen benannt.

1495 gewann der damalige Häuptling von Inhausen - Fulf - durch Erbschaft die Burg Kniphausen mit Fedderwarden und Accum hinzu und nannte sich von da ab "Häuptling von In- und Kniphausen".

Sengwarden gehörte seitdem zu dieser HERRLICHKEIT KNIPHAUSEN bis zum Kauf Kniphausens durch Oldenburg am 20.7.1853 (mit Ausnahme der Zeit von 1623 - 1658 - vorübergehende Zugehörigkeit zu Olden= burg lt. Testament v. Frl. Maria v. Jever). Die Herrlichkeit Kniphausen war ein selbständiger Kleinstaat im "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" mit eigener Gerichtsbarkeit, eigenem Heer usw.

Ab 1853 war der Ort Hauptsitz der kreisangehörigen Landgemeinde Sengwarden, gehörte zum Großherzogtum Oldenburg und zum Amte Jever. Der Ort hatte zu dieser Zeit 67 Wohnhäuserlmit 82 Haushalte' und 328 Einwohner. Neh der Oldenburgischen Gebiets- u. Verwaltungsreform von 1933 wurde aus den bis dahin selbständigen oldenburgischen Gemeinden Fedderwarden, Sengwarden, Accum und Sillenstede die GROSSGEMEINDE KNIPHAUSEN gebildet. Verwaltungssitz war Fedderwarden.

Ab 1.4.1948 wurde die Großgemeinde Kniphausen wieder auseinandergeschlagen. Aus Sengwarden und dem Rest von Fedderwarden wurde die kreisangehörige GEMEINDE SENGWARDEN mit Verwaltungssitz in Sengwarden gebildet. (Der größte Teil des zur ehem. Gem. Fedderwarden gehörenden Hinterlandes war bereits 1938 der Stadt Wilhelmshaven zugeschlagen worden). Mit der Gebiets- und Verwaltungsreform 1972 schloß sich die Gemeinde mit der Stadt Wilhelmshaven zusammen. mit einem Grenzänderungsvertrag behielt sie eine gewisse Selbsständigkeit (Ortsratsverfassung u. Verw.Sitz in Sengwarden).
Name der neuen Einheit "WILHELMSHAVEN - ORTSTEIL SENGWARDEN"

Sengwarden gemalt 1922 von Wilhelm Siebels
Sengwarden gemalt 1922 von Wilhelm Siebels (1897-1965)